KircheChristophoribote

Mitteilungsblatt
der ev. Gemeinde deutscher Sprache
in Breslau und Niederschlesien
Dezember, Januar, Februar /Nr. 12-1-2 (32-33-34)

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Jesus Christus spricht: ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN.

Liebe evangelische Christen
in Breslau und Niederschlesien!

Wer als Tourist nach Jerusalem reist, besucht meistens die "Grabeskirche". Er bekommt gezeigt, wo Jesus gekreuzigt worden sein soll. Die orthodoxen Christen nennen diese viel besuchte Kirche anders. Für sie ist es die "Auferstehungskirche". Wir glauben nämlich nicht einem gekreuzigten und gestorbenen Jesus, sondern wir leben von 0stern her und vertrauen, dass Gott seinen Christus nicht im Tode gelassen hat. Wir glauben, dass Christus "auferstanden ist von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes." Zum dritten Mal darf ich die Jahreslosung für den Christophoriboten gestalten, diesmal sogar farbig. Wir Christen bekennen im Apostolischen Glaubensbekenntnis, daß Jesus Christus "gekreuzigt, gestorben und begraben" ist. Von ihm heißt es weiter: "Hinabgestiegen in das Reich des Todes". Die Jahreslosung zeigt unten den Erd- und Ackerboden. "Von unten", aus der Tiefe, vom "Reich des Todes" fährt ein heller goldgelber Strahl durch die Erde "nach oben" - Gott hat Christus aus dem Tod geholt - deshalb kann der Auferstandene sprechen: "ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN". Das ist das Wort des Auferstandenen, das uns 366 Tage im Jahr 2008 begleiten wird. Das Wort, das Ihnen, ob alt oder jung, krank oder gesund, Mut macht. Sie sollen leben! Auf unserer so schönen Erde. Mehr noch. Wenn unser irdisches Leben endet, wird der Tod nur ein "Durchgang" sein zu Jesus Christus. Er spricht Ihnen und mir zu: "ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN".

Klaus Dieter Härtel,
Pfarrer i. R.

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich wende mich das letzte Mal im diesem Jahr an Sie. Ich denke, es ist eine gute Zeit, um das Jahr 2007 in der St. Christophorigemeinde in aller Kürze zusammenzufassen. Wie war das Jahr bei uns in Breslau und Schlesien? Das Jahr 2007 war ein gutes Jahr für die St. Christophorigemeinde. Vor elf Jahren, am 6. November 1996, hat unsere Gemeinde das Gemeindezentrum im Zimpel mit der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche von der Stadt Breslau zurückbekommen. Seitdem verwalten wir zwei Kirchen, das Pfarrhaus und ein ehemaliges Gemeindehaus. Beide Kirchen und das Pfarrhaus dienen wieder dem, wozu sie gebaut wurden. In der St. Christophorikirche finden regelmässig um 10 Uhr unsere Sonntagsgottesdienste statt. Danach hält die koreanische ev. Gemeinde ihren Gottesdienst in unserer Kirche, die seit fast zwei Jahren bei uns sehr gut beheimatet ist. In der Gustav-Adolf Kirche feiert seit dem Sommer eine polnische freikirchliche Gemeinde ihre Gottesdienste, die von Anfang an auch sehr konkret bei der weiteren Erhaltung und Modernisierung der Kirche tätig ist. Unsere Gemeinde hatte bis 1996 keinen eigenen Raum zur Verfügung gehabt. Ich denke, es ist ein gutes Zeichen, das wir als Gemeinde in die Welt senden, daß wir jetzt den anderen ein Dach geben, die einen Ort der Stille suchen. Beide Gastgemeinden, die Koreaner und die Freikirchlichen, bezahlen uns keine direkte Miete, sondern beteiligen sich an den Betriebskosten oder übernehmen teilweise die Kosten von größeren Renovierungsprojekten.

Im Pfarrhaus wohnen Schwester Lidia und beide Pastoren mit ihren Familien und es gibt Räume für das Büro und weitere Räumlichkeiten für die Sitzungen des Gemeinderates, für Bibelstunden usw. Im September haben wir angefangen, einen weiteren Raum zu renovieren, der zwischen dem Pfarrhaus und dem ehemaligen Gemeindehaus nach dem Krieg angebaut wurde. Der Saal, ca. 55 qm groß, wird uns für größere Veranstaltungen gut dienen. Auf diese Möglichkeit warten wir geduldig schon seit Jahren, weil die vielfältigen Aktivitäten der Gemeinde gezeigt haben, daß wir so etwas brauchen. So Gott will, sollten die Arbeiten bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Also eine Adventsfeier werden wir in diesem Raum im diesem Jahr noch nicht feiern können, aber das Fest der Heiligen Drei Könige vielleicht schon. Mal sehen!

Dank vielen vertrauten Freunden und vor allem dank den schlesischen Johannitern, der Gemeinschaft ev. Schlesier, unseren Partnergemeinden und dank der Kasse unserer Gemeinde, die jedes Jahr besser steht, haben wir im Pfarrhaus einen neuen Heizkessel eingebaut. Es ist jetzt wärmer und billiger, weil früher der Heizraum in einem anderen Haus lag und das Wasser einen langen Weg hin und zurück laufen musste.

Andere Angelegenheiten der Gemeinde stehen gut. Unsere Gemeindeschwester Lidia tut ihren Dienst wie immer mit vollem Herzen und wir wünschen uns, sie bleibt gesund und uns noch viele Jahre treu. Nachdem Vikar Dawid Mendrok alle Konditionen zur Wahl auf die Stelle des zweiten Pfarrers der Gemeinde erfüllt hat, wollen wir ihn an die Gemeinde "festnageln". Dazu hat der Rat der Gemeinde schon im Sommer einen entsprechenden Beschluss gefasst. Wenn es im Jahr 2008 schon etwas wärmer wird, wollen wir ihm dieses Amt anvertrauen, weil seine Tätigkeit für die Gemeinde zweifellos gut und wichtig ist. Also - weiter so Herr Pfarrer Mendrok!

Es war natürlich nicht nur sonnig in unserer Gemeinde. Wir haben elf unserer Gemeindemitglieder verabschieden müssen und werden sie sehr vermissen. Mit jedem Tod geht eine bunte Geschichte des Lebens zu Ende. Jeder und jede Verstorbene hat das Leben der Gemeinde auf eine besondere Weise geprägt und das wird uns fehlen. Wir hoffen und glauben fest, eines Tages werden wir uns alle mit ihnen wieder treffen können. In einer Welt, die keine Illusion ist, sondern eine reale Wirklichkeit, die Gott für die Seinen vorbereitet hat durch seinen Sohn, Jesus Christus. Wegen dem Tod unserer Lieben sind wir

traurig, weil sie nicht mehr unter uns sind, aber wir sind auch Gott dankbar, dass wir mit ihnen gemeinsam den Weg auf der Erde gegangen sind und daß sie jetzt nach ihrem erfüllten Leben ausruhen dürfen. Harre, meine Seele...!

An dieser Stelle möchte ich allen für alles danken. Ich bin ganz sicher, es ist kein Zufall, daß wir alle irgendwie mit der Christophorigemeinde verbunden sind. Es ist eine Sondergemeinde, nicht ein Sonderkind, sondern eine Gemeinde, die einen wichtigen Auftrag wahrnimmt: Das Wort Gottes mit allen möglichen Mitteln zu predigen. Durch die sonntägliche Predigt, Bibelstunde, Religionsunterricht, Hausbesuche, den Gemeindebrief, Teilnahme von Pastoren und Beauftragten an verschiedenen Begegnungen in Polen und im Ausland, durch die Verleihstation, durch den Dienst an den Soldaten, durch die Arbeit von Schwester Lidia, durch die ehrenamtliche, langjährige Arbeit der Frauen Koltuniewicz, Wiemer, Dorda, Szemplinska, Seta, Boehme, Langierowicz und vieler anderer.

Gott möge euch alle reichlich auch im Jahr 2008 segnen. Unser Auftrag bleibt ungeändert und heißt: Dem Wort Gottes und dem Nächsten unter uns Raum geben. Nicht zu vergessen ist, dass Gott uns einen wunderschönen Platz für unsere Arbeit gegeben hat: Niederschlesien mit seiner Hauptstadt Breslau, die jetzt blüht wie nie. Wer ist heute, von Reisenden und Touristen, nicht von der Entwicklung in Schlesien und Breslau begeistert. Es ist noch viel zu tun, aber das gibt auch Hoffnung auf weitere Arbeitsplätze für viele, die hier wohnen oder wohnen möchten. Wir sagen allen: Herzlich willkommen. Denen, die deutsch sprechen, sagen wir es besonders herzlich und hoffen auf eine Begegnung mit der St. Christophorigemeinde in Breslau und Niederschlesien, einer Gemeinde deutscher Sprache.

Gott befohlen
Ihr Andrzej Fober
Propst

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn cer wird sein Volk retten von ihren Sünden.
Matthäus 1,18-21

Liebe Schwestern und Brüder,

zu Weihnachten heißt es immer Es begab sich aber zu der Zeit... und nur wenige kennen die Geschichte von Jesu Geburt mit anderen Worten geschrieben, wie z.B. von Matthäus. Diese Überlieferung finde ich heute besonders wichtig. Hier denke ich über die Aufgabe des Vaters nach. "Er gedachte Maria heimlich zu verlassen" - Wie viele Männer tun das heutzutage auch? Sie haben Kinder, aber verlassen die Frau. Sie fahren ins Ausland, um dort zu arbeiten, haben dort eine andere Frau, haben Angst vor den Kindern, bezweifeln ihre Vaterschaft. Das konnte sich auch Josef gedacht haben. Deswegen kam der Engel in der Nacht zu ihm und sagte, daß seine Frau das Kind vom heiligen Geist empfangen habe.

Was würden sie heute zu solchen Worten sagen? Für uns klingt das ungewöhnlich, und ich bin mir dessen sicher, dass es auch für Josef schwer war, zu glauben. Deswegen bewundere ich ihn, er war bereit diese Last zu tragen und für den Sohn Gottes zu sorgen.

Für den Sohn Gottes zu sorgen. Wie meinen Sie, konnte Josef sich schnell mit diesem Gedanken vertraut machen? Fiel ihm diese Entscheidung leicht? War er darauf vorbereitet? Das erste Kind - waren wir vorbereitet, als das erste Kind geboren wurde!

Ich habe es schon erwähnt, Josef wollte Maria verlassen, der wichtigste Grund war, daß es nicht sein Kind war. Können sie sich jetzt die Mutter alleine lebend vorstellen, das müsste sehr hart und schwierig sein. Damals wie heute hoffen die Mütter, daß der Mann den Unterhalt für die Familie erbringen wird. Josef war sich auch dessen bewusst, und vielleicht dachte er bei sich selbst, ich werde die ersten Tage für Maria und das Kind sorgen, und dann werde ich sehen, ob das ein außergewöhnliches Kind ist.

Ich bewundere Josef. Er ist mit seiner Frau nach Bethlehem gegangen. Er war bestimmt die ganze Zeit doppelt im Stress! Wo wird meine Frau Maria das Kind auf die Welt bringen? Wie wird das Kind vom heiligen Geist aussehen? Werden es die anderen merken, dass das Kind nicht von mir ist? Soll ich bei meiner Frau bleiben, oder nicht.

Endlich kam der Abend, der wichtigste und entscheidende Moment für Josef - es ist ihm ein Kind geboren, ein Sohn, ein ganz normales Kind. Aber ein ganz normales Kind war es nicht - es war Gottes Sohn, und beide wussten es - Maria und Josef. Haben sie es auch geglaubt? Glauben wir es?

Auf einmal sehen Josef und Maria, dass einige Hirten kommen und singen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens". In diesem Moment ist es klar, wenn es schon Menschen, die uns ganz fremd sind, sagen und singen, so muss es auch wahr sein.

Am achten Tag nach der Geburt wurde dem Kind der Name gegeben - Jesus, wie Gott sich das gewünscht hat und durch den Engel zu Josef gesagt hat.

Aber was passiert später? Josef, Maria und das Kindlein empfangen einen Besuch von Weisen aus dem Morgenland, und was tun sie? "Sie fielen nieder und beteten das Kind an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe". Das musste Josef Kraft und Mut gegeben haben - es stimmt, das ist der Sohn Gottes, ein König, und ich muss für ihn ein guter Vater sein.

Josef wusste aber nicht, welche schwere Pflicht auf ihm liegt. Gleich am nächsten Tag musste er doch aus Bethlehem fliehen, um "sein" Kind zu retten...

Wenn Weihnachten kommt, so kommt "jeder in seine Stadt", alle kommen zu den Familien, Kindern, Eltern und Geschwistern. Die Eltern freuen sich über die Kinder, die Großeltern über die Enkelkinder. Oft kommt es zu Versöhnung, es wird verziehen, ein neues Ziel des Lebens wird vorgestellt. Wie ähnlich ist es mit unserem Josef! In der Nacht, in der Jesus geboren wurde, hat Josef ein neues Ziel in seinem Leben gefunden. So ist es auch oft bei uns. Zu Weihnachten stellen wir uns neue Ziele, wir wünschen uns alles Gute, hoffen dass keiner krank wird, dass unser Leben besser, die Arbeit ruhiger und die Menschen netter werden. Am Heiligen Abend spüren wir es, wie alles still und fröhlicher wird. Das Wunder, das Josef und Maria erlebt haben, erleben auch wir, die große Erwartung, Spannung auf das Christuskind ist wahr geworden, es ist da! Was werden wir jetzt machen, wie wird unsere Entscheidung sein, was möchten Sie jetzt machen?

Zu Weihnachten möchte ich Ihnen allen wünschen, dass Sie den Weg finden, gemeinsam mit der Familie und dem Christkind ein neues Ziel des Lebens zu finden, nämlich für das Christkind zu leben! Josef hat diese Entscheidung getroffen! Für uns wird sie auch nicht so leicht sein, aber gerade deswegen haben wir die vier Sonntage im Advent, die Weihnachtsfeiertage und das Epiphaniasfest, damit wir es erkennen - das Christuskind ist für uns da, für mich und dich in die Welt gekommen, "um sein Volk zu retten von seinen Sünden".

Freuen wir uns alle gemeinsam über Christi Geburt, freuen wir uns über das Ziel unseres Lebens, freuen wir uns über die Herrlichkeit Gottes, die uns im Christkind erscheint. Seien wir wie die Kinder, wie die Hirten und singen wir gemeinsam:

Ihr Kinderlein kommet
Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all
zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall!
und ´seht was in dieser hochheiligen Nacht
Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh;
Maria und Joseph betrachten es froh.
Die redlichen Hirten knien betend davor;
hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

Ihr Dawid Mendrok

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