Vortrag mit Diskussion

Flucht und Vertreibung 1944/45 bis 1949

Zum Verlauf und zum politisch-historischen Kontext

von Dr.Bärbel Gafert

Seit Öffnung der osteuropäischen Archive in den 90er Jahren ist mehr über den Verlauf und den Kontext der Vertreibung erkennbar, die sich ab Ende des Zweiten Weltkriegs überwiegend hinter dem neuen doppelten „Eisernen Vorhang“ vollzog und die (damals) ostdeutsche Zivilbevölkerung und die deutschen Minderheiten in ganz Mittelosteuropa betraf, insgesamt 14 bis 15 Millionen Menschen. Direkt betroffen waren alte Menschen, Frauen und sehr viele Kinder, - über 2 Millionen überlebten die Strapazen und Gewalttaten nicht.

In der Öffentlichkeit dominieren zum Thema Vertreibung immer noch zumeist Fluchtgeschichten von vor Kriegsende (z.B. Trecks im Schnee) oder geschichtspolitische Kontroversen (z.B. um die Person von Frau Steinbach) und nicht die Erkenntnisse der neueren Geschichtsanalyse (z.B. dass noch jahrelang nach Kriegsende Tausende übervolle Güterzüge nach Westen rollten und ein Netz von Nachkriegslagern für Deutsche, bald auch für polnische und tschechische „Verräter", existierte, die dem Gulagsystem ähnelten).

Ich werde den Verlauf des Vertreibungsprozesses ansprechen, -auch illustrieren-, der sich mehr als vier Jahre lang in fünf erkennbaren Phasen vollzog. Der politisch-historische Kontext war einerseits durch den Krieg und die Folgen der NS-Verbrechen geprägt, andererseits durch den Machtaufbau der kommunistischen Satellitenregime Stalins in Warschau und Prag. Vor allem auf das weniger bekannte Letztere, werde ich eingehen – soweit es die Vortragszeit erlaubt.

V i t a: Lehrtätigkeit als Dozentin an der FU und an einem Kolleg des ZBW. In den letzten Jahren freie Historikerin in Berlin, Recherchen und Veröffentlichungen zum Thema Vertreibung.

Rahmen: Arbeitsgemeinschaft Ostmitteleuropa e.V. Berlin

Zeit: am 2.Oktober 2009, 19.00 Uhr

Ort: Bürgertreff im S-Bahnhof Berlin Lichterfelde-West

Hans-Sachs-Str.4D, 12205 Berlin

Fahrverb.: S-Bahn Lichterfelde-West (direkt)

Busse: 101, M11, X11, 148, 385 Eintritt frei

 

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