Mein zweiter Urlaub in Breslau - Wroclaw 2007
Als Urlaub kann ich es eigentlich nicht bezeichnen. Ich fahre doch nicht nach Hause um die Stadt zu besichtigen oder mich vom Alltagsstress zu erholen. Ich erhole mich höchstens vom langweiligen Alleinsein in Mainz.
Am Dienstag, dem 11 September morgens ging es los. Am Mainzer Bahnhof klappte es gut, auch ohne Hilfsdienst. Es gibt immer einem netten Menschen, der mir den Koffer in die S - Bahn hochhebt. An der Station Ffm.- Flughafen stand dann der bestellte Bahnhofshilfsdienst bereit und brachte mich mit dem Gepäck auf einem kleinen Roller zum Terminal. Der Vorteil ist dabei, dass man nirgends Schlange stehen muss, wegen der Behindertenhilfe wird man sofort vorgelassen. Den Koffer konnte ich aufgeben, er wurde in Warschau umgeladen, so dass ich ihn dann in Breslau abholen konnte. Auch die Eincheckkontrolle war kein Wartepunkt, ich wurde gleich kontrolliert. Die Handtasche mit dem vielen Krimskrams brachte kein Ergebnis, als ich durch die Sichtschleuse ging, musste ich die Mütze abnehmen, doch darunter war keine Bombe, sondern nur ein vor Erwartung explodierendes Gehirn. ( Prompt habe ich die Mütze dann dort verloren ) Als ich selber durchleuchtet wurde, erklang ein Warnton. Wie sich herausstellte war es mein Zigarettenetui aus Metall, der Kontrolleur schmunzelte. Im Warteraum verabschiedete sich dann der Begleiter, wenn der Flug aufgerufen wird, holt mich jemand ab, der mich zum Bus zum Flieger bringt..
Leider gab es dieses Mal keinen netten Gesprächspartner. Alle Mitflieger waren sehr junge Leute, offensichtlich eine Gruppe Schüler oder Studenten, die wohl zu einem Wochenendseminar in Frankfurt waren.
Dafür die übliche nette Bedienung. Gleich zum Anfang gab es den Leckerbissen: ein Päckchen "Prinz Polo" ein Waffelschokoladenriegel. Als Getränk alles was man sich nur vorstellen kann, vom Mineralwasser über Bier, Cognac, Wein und eben Kaffee oder Tee. Ich blieb bei meinem Lieblingsgetränk: Kawe Late ( Milchkaffee )
Der Flieger kreiste zwei Mal über Warschau und landete etwa 10 Minuten früher als geplant.
Ich wurde auch dort vom Hilfsdienst abgeholt, es gab nur eine Passkontrolle, dann brachte man mich in den Warteraum, wo es auch ein kleines Restaurant gab. Die kurze Wartezeit - 1 gute Stunde - war schnell vorbei, dann wurde ich auch wieder zum Abflugraum gebracht. Die Leute, die mich betreuten sprachen etwas deutsch oder englisch, so dass auch hier kleine Gespräche möglich waren. Die Plätze waren in Ffm schon alle reserviert worden, ich hatte immer einen Platz am Gang bestellt, damit ich mal aufstehen und zur Toilette gehen konnte. Wieder ein Prinz Polo, etwas zu trinken und überpünktlich starteten wir. In Breslau - Wroclaw kamen wir jetzt schon 20 Minuten zu früh an. Die Koffer waren ebenso sehr schnell entladen worden und als ich am rollenden Kofferband ankam, war mein Gepäck schon auf dem Laufband.
Hier hatte ich keinen Hilfsdienst aber in dem übersichtlichen Ausgangsraum lief ich den anderen Fluggästen hinterher und stand dann viel zu früh vor der Tür. Bozena und Jurek wollten mich abholen, waren aber noch nicht da. Ich setzte mich in der Sonne auf eine Bank und paffte mal eine Zigarette. Zum Rauchen gab es auf der ganzen Reise wenig Möglichkeiten.
Dann kamen beide, genau zur angekündigten Ankunftszeit.
Sie fuhren mich kurz ins Hotel, in meinem Zimmer stand schon ein grosser Blumenstrauss von Malgorzata..
Anschliessend wurde ich zum Abendessen eingeladen in ein sehr schönes, wunderbar ausgestattetes Restaurant gleich in der Nähe vom Hotel. Dort erklärte mir Bozena, das ich am Freitag Morgen um 9.oo Uhr "Schulunterricht" habe. Sie ist Klassenlehrerin einer 10. Klasse, die Schüler sind ca. 16 - 17 Jahre alt. Ich sollte ihnen vom früheren Alltag in meiner Jugendzeit erzählen: Wie die Familien lebten, wie die Feiertage oder die Ferien verbracht wurden. Typische Gerichte und evtl. Kuchen, usw. - also musste ich mich darauf wohl wieder etwas anders vorbereiten als bei den früheren Erzählungen.
Dann wurde ich noch zum Hotel begleitet und habe erstmal ausgepackt. Alles durchgescheckt, viele Lampen - ausprobieren welcher Schalter die verschiedenen Lichtquellen betreiben. Das Bad - wie schon vor vielen Jahren - prima ausgestattet, Fön, Seife, Shampoon, 4Gläser und etwa 6 Handtücher. Mit dem Fernseher kam ich gut zurecht, leider waren auf deutsch nur Sat 1 und RTL,die Kitschsender eingespeist, doch unvermutet gab es dann noch HR 3, so konnte ich um 20.oo Uhr die Tagesschau sehen. Den Wetterbericht - Prognoza Pogoda - habe ich dann im TV Wroclaw gesehen, da wusste ich die bevorstehenden Temperaturen und konnte den passenden Pulli bereitlegen. Ja Mineralwasser gab es auch - die Minibar sowieso - und ein Aschenbecher stand auf dem kleinen Schreibtisch!!!!!!!! Um 23.00 Uhr dann ab ins Bett.
Am Mittwoch gab es beim Frühstück das gewohnte reichliche Büfett - leider kein Obst. Die enorm flinke Pani, die alle Gäste versorgte, - es waren alle Tische besetzt - merkte sich sofort, das ich zum Müsli ein bisschen erwärmte Milch brauchte und einen Kawe Late bekam. An den nächsten Tagen kam sie immer schon damit angerannt, wenn ich zur Tür hereinkam.
Mit dem Telefon im Zimmer und an der Rezeption kam ich nicht zurecht. Mein Hörgerät konnte hier nicht funktionieren. Doch die jeweiligen diensthabenden Mädchen machten die Termine für mich auf polnisch aus und schrieben mir dann auf einem Zettel die Uhrzeit hinter die Namen. Für alle Gespräche brauchte ich nichts zu bezahlen. Dann ein kleiner Rundgang am Ring, Geld wechseln, ein kleines Sonnenbad auf der Bank vor dem Rathaus, genau an der Stelle, die mir Markus Krzoska hier in Mainz im PC als Bildschirmfoto eingespielt hatte.
Um 14.00 sollte ich bei Dr. Ruchniewiecz sein, doch der Taxifahrer fand das WBZ nicht, auch nicht die richtige Strasse In einer völlig unbekannten Gegend fragte ich in den Geschäften, keiner konnte mir Auskunft geben. Es ist traurig, dass kein Wroclawer weiss, was das Centrum Willy Brandta ist. Ich bat dann einen anderen Taxifahrer dort anzurufen, konnte Krzysztof auch sprechen. Leider war jetzt seine freie Zeit vorbei, er musste zum Bahnhof um nach Hannover zu fahren. Verrückt: die Alte kommt nach Wroclaw und der viel jüngere Pole fährt nach Deutschland. Jetzt blieb eine lange Mittagspause übrig, denn erst um 18.00 Uhr konnte Malgorzata kommen, sie wollte an einem Gespräch mit Lehrern und Betreuern ihrer Kinder teilnehmen. Auf die Minute pünktlich war sie im Hotel und wir gingen in das nette Restaurant, das mir Bozena am Vortag gezeigt hatte. Malgorzata und ich kennen uns schon seit über 10 Jahren. Damals - noch nicht verheiratet - war sie öfter in Deutschland und auch mal einige Tage bei mir in Mainz. So verbinden uns viele private Erinnerungen und wir berichten uns dann jedes Jahr, was der Alltag so gebracht hat. Seit Malgorzata jetzt wegen der beiden Kinder nur noch Teilzeit arbeitet, verdient sie im Dwor Polski nur sehr wenig und sucht dringend einen anderen Job. Leider kann ich ihr in Wroclaw da nicht helfen. Sie sagte auch, dass ihre beiden Jungen mich einmal treffen möchten und ich habe zugesagt, dass ich im Mai nächsten Jahres mit ihnen sprechen werde. Dafür werde ich wohl noch ein bisschen Polnisch pauken müssen. Als wir uns dann nach 2 Stunden voneinander verabschiedeten, umarmte sie mich und weinte bitterlich. Davon war ich tief berührt, auch meine Augen tropften und ich konnte nur noch sagen: ich komme doch bald wieder !
Dieser Tag war also recht früh zu Ende. In meinem Zimmer habe ich dann die Nachrichten gesehen, einige Notizen gemacht, und dann ein mitgebrachtes Kreuzworträtsel geraten.
Am Donnerstag früh wollte Sonja Stankowski im Hotel sein. Auch wir kennen uns schon knapp 10 Jahre. Das 1. Mal trafen wir uns bei einem Wochenendseminar in Ingelheim am Rhein. Sonja war damals noch Studentin und studierte Slawistik in Leipzig. Wir blieben immer in Kontakt, 2 Mal war ich auf meinen Reisen gen Osten auch in Leipzig. Heute ist Sonja "ausgewandert". Sie lebt in Schweidnitz ist selbstständig, arbeitet als Übersetzerin, gibt Deutschunterricht an einer polnischen Schule und hilft Ahnenforschern bei ihren Suchen nach Vorfahren in Schlesien. Wenn ich jetzt in Wroclaw bin, kommt sie herüber, wir machen einen kleinen Stadtbummel und berichten uns von den Erlebnissen der letzten Monate. Dieses Mal war die pünktliche Sonja eine Viertelstunde zu spät: in Wroclaw herrscht so dichter Verkehr, dass die Autofahrer oft 5 und mehr grüne Ampelphasen abwarten müssen bis es weiter geht. Wieder 2 interessante Stunden mit einer jungen Freundin. Der Slogan auf kleinen Mittebringsel: "Meetingpoint Wroclaw" findet meine volle Zustimmung.. Dann hatte ich eine kleine Mittagspause, um 16.00 Uhr sollte Kinga, die junge Journalistin bei mir sein. Wir hatten uns erst im vergangenen Mai kennengelernt als sie den kleinen Film "Karla z Breslau" für den TV - Sender Wroclaw drehte. Im August war Kinga zu einem Sondersemester der Robert Kochstiftung in Tübingen, da waren viele junge Leute verschiedener Nationen eingeladen. Sie berichtete mir davon, auch von einem Ausflug nach Heidelberg und den Gesprächen mit den anderen Teilnehmern.
Ein bisschen neidisch bin ich, weil heute die junge Generation so viele Möglichkeiten europaweit hat um auch Eigenheiten anderer Länder zu erfahren. Für uns Alte gibt es diese Möglichkeiten nicht mehr, wir sind als aussterbende Generation nur gefragt, wenn man von uns etwas über alte Zeiten erfahren möchte. - Doch ich will nicht ungerecht sein, Ich bin immer froh, wenn ich gefragt werde. Als sich Kinga dann verabschiedete sagte ich zu ihr: bitte vergiss mich nicht. Sie antwortete spontan : Dich kann man nie vergessen ! Das war der schönste Satz für mich den ich in Wroclaw gehört habe.
Dann machte ich nochmals einen kleinen Rundgang zum Place Solne (Salzmarkt), doch die vielen überquellenden Blumenstände wurden gerade abgeräumt und verschiedene Zelte und kleine Stoffhallen aufgebaut. Da musste doch ein Fest vorbereitet werden, doch niemand konnte mir sagen, was am Wochenende veranstaltet werden sollte. Also im Mona Lisa noch eine Portion Zurek gegessen und zurück zum Hotel. An diesem Abend zeitig ins Bett, am nächsten Morgen sollte ich schon um !/2 9.00 Uhr zum Schulunterricht abgeholt werden.
Der Freitag begann sehr früh, doch da ich immer um 1/2 7.00 Uhr wach werde, ist das herrlich, wenn an der gegenüberliegenden Dachfront der Häuser die Sonne ihr strahlendes Licht reflektiert. Auch das Müsli und den Kaffee gab es schon um 8.00 Uhr, denn gleich würde mich Jurek abholen. Ich war schon auf die Strasse gegangen, denn es gibt keine freien Parkplätze und Jurek kann in der engen Gasse nur kurz halten, damit ich einsteigen kann. Dann fuhren wir zur Schule, jetzt im Berufsverkehr stockte es an allen Ecken, trotzdem kamen wir pünktlich an. Es war gerade Pause, in den Gängen sassen die Schüler auf dem Boden, assen ihre Brote, tranken Cola oder Wasser und lasen verschiedene Heftchen. Ich dachte mir, dass die Schule sehr gut besucht sein muss, so viele junge Menschen waren dort. Bozena kam dann gleich, musste erst den Schlüssel für den Klassenraum holen. In diesem Stockwerk waren mehrere Räume für Fremdsprachenunterricht. Erste Fremdsprache ist englisch, dann wahlweise deutsh, evtl. auch russisch. Doch dafür müssen genügend Schüler Interesse haben und die jeweiligen Lehrer zur Verfügung stehen. 18 Jungen und Mädchen sassen wartend auf ihren Plätzen und Bozena stellte mich vor und berichtete auch von meiner Kinder - und Schulzeit in Breslau. Dann war meine Zeit gekommen. Wie schon oft geübt, stellte ich mich auf polnisch vor, sagte, dass ich eine sehr schöne Kinder und Schulzeit bis zum Ende des 1. Weltkrieges hatte. Dann erzählte ich von dem damaligen Familienleben. Den Paddelbootfahrten mit den Eltern auf der Oder. Auch von den Besuchen bei den Tanten, Onkels und Kusinen an jedem Sonntag. Da gab es immer zum Mittagessen Schweinebraten, Sauerkraut und schlesische und polnische Klösse. Die schlesischen Klösse wurden aus gekochten, die polnischen aus rohen Kartoffeln gemacht. Nachmittags gab es das ganze Jahr über Streuselkuchen. Von Januar bis etwa im Mai nur mit Puderzucker bestreut, dann kam das Obst, das geerntet wurde unter die Streusel. Erst Erdbeeren, dann Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kirschen Pflaumen und im Herbst dann Birnen und Äpfel. Ab dem 1.Advent gab es dann Mohnkuchen, nur einen Monat lang, Sylvester war Schluss damit. Heiligabend und Sylvester gab es Polnische Sosse mit weissen schlesischen Würstchen und polnischen Räucherwürstchen, dazu Klösse und Sauerkraut. Dieses Gericht gab es nur an diesen 2 Tagen, sonst nie. Auch heute kochen viele junge Leute in der ganzen Welt diese Sosse, von der Ihre Grosseltern erzählt haben. Ich habe eine Kusine, die in Kanada wohnt und auch dort polnische Sosse kocht.
Deutschlehrerin Bozena, Schüler und ich

| << vorherige | 3 von 4 | nächste >> |
| Return | ||
Dann erzählte ich von meinen Schuljahren. In der Grundschule in Karlowitz war ich etwas unterfordert und daher im Unterricht sehr unruhig und störend. Meine Klassenlehrerin, Frln. Richter nannte mich " Zappelfilip " Diesen Ausdruck konnte Bozena nicht übersetzen.Ich schrieb ihn an die Tafel, doch sie konnte sich darunter nichts vorstellen Da zappelte ich ganz wild auf meinem Stuhl herum. Die Schüler lachten schallend und wussten jetzt was ein Zappelfilip ist Danach berichtete ich noch von den wasserbegeisterten Breslauern, die an den Sonntagen auf den Wiesen an der Oder lagen. Breslau hatte 4 grosse, bekannte Schwimmvereine, die alle Trainingsmannschaften ausbildeten. Ich war im ASV - Alter Schwimmverein und wurde 1944 schlesische Jugendmeistern im 100 Meter Brustschwimmen..Der Wettkampf fand damals in Hirschberg - Jelenia Gora statt Zum Abschluss der Schulstunde überreichte mir ein Schüler einen grossen Blumenstrauss und Bozena machte einige Fotos von uns.
Dann fuhren mich Jurek und Bozena zum Hotel, wo ich um 11.00 Uhr Marek erwartete. Sie wollten mit ihm besprechen, ob er mich Samstag Mittag zum Flughafen fahren konnte. Er hatte aber dann keine Zeit mehr, deshalb würden mich Jurek und Bozena dann dort hinbringen. Jetzt fuhr mich Marek nach Karlowitz. Natürlich auch wieder alles verstopft und auf der Oderbrücke standen wir wohl 10 Minuten. Diese Brücke war auch vor 60 Jahren viel zu eng, doch jetzt wird endlich dicht daneben eine 2. breite Brücke gebaut. In Karlowitz waren einige Umleitungen, wir kamen dann am Wasserturm vorbei wieder zu unserer damaligen Wohnung.
Bei Pani Alicja ist es fast schon ein Ritual: Kaffee mit Plätzchen, eine kleine Unterhaltung über das letzte gemeinsame Interview für den Film, ihren Urlaub auf Sizilien. Dabei half Marek noch mit Übersetzungen, doch dann unterhielten die Beiden sich intensiv auf polnisch, ich verstand kein Wort. Nach einer guten Stunde bat ich dann, dass wir uns verabschieden können, einfach um heraus an die Luft zu kommen. Wir fuhren weiter durch die östlichen Vororte, in einem kleinen Restaurant bekam ich meinen Zurek. Ein paar Schritte über die Strasse und man sah schon die Oderwiesen. Ich war plötzlich 65 Jahre jünger, hockte mich auf die Wiese und sah diesen Oderarm vor mir vorbei fliessen. Genau wie früher, wenn wir von zu Hause nach Wilhelsmruh liefen und eine kleine Pause auf der Oderwiese machten Dann fuhren wir zu Bozena nach Hause. Sie hatte schon ein reichhaltiges Essen vorbereitet, Marek blieb noch eine halbe Stunde dabei und genoss die beiden Vorspeisen. Für dieses Mal mussten wir uns nach so kurzer Zeit schon verabschieden, da er neue Termine hatte .Ich hoffe, im nächsten Jahr bleibt mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Jurek ging in die Küche und bereitete das weitere Menue vor. Es gab Fischfilet mit Blumenkohl und Roten Beten und Champignons. Da ich alles gerne probieren wollte, habe ich viel mehr gegessen als sonst, jetzt hat sich mein Magen wohl erweitert und hier zu Hause habe ich laufend Hunger. Zum Nachtisch kamen dann 2 grosse Schalen mit Obst auf den Tisch : Pflaumen Weintrauben und noch mehr andere Sorten. Ich bekam davon eine grosse Tüte voll mit, die ich in den Koffer packte und dann in Mainz geniessen konnte.
Während wir danach Kaffee tranken klingelte es, und ein älterer Mann kam herein. Bozena sagte es wäre ihr Schwiegervater. Jetzt kommt das nächste Highlight. Er war in Ostpolen geboren, 1920 und hatte dort auf dem Gymnasium deutsch gelernt - noch vor dem 2. Weltkrieg. Er sprach auch jetzt noch etwas deutsch. Dann klingelte es ein 2. Mal, der Bruder von Jurek kam dazu. Er sprach nur polnisch, aber langsam und deutlich, so dass ich ihn gut verstand. Sein Sohn war in Dortmund um dort seine Doktorarbeit zu schreiben, er hatte Germanistik studiert. Es ist erstaunlich, wie viele junge Polen sich nach Deutschland hin orientieren. Als Bozena und Jurek dann mit mir einen letzten Tee tranken, war es 20 Minuten vor 19.00 Uhr, Mir fielen die Heute Nachrichten ein und ich fragte, ob sie im TV das ZDF empfangen konnten. Jurek schaltete den Programmpunkt Deutschland ein und alle Sender waren verfügbar. ARD mit allen 3. Programmen, ZDF Arte, 3 Sat und alle Dokumentationssender. Wieder etwas was sie mir voraus hatten. Mit unserem dürftigen Kabelanschluss bekommen wir Vieles davon nicht.
Dann fuhr mich Jurek zurück zum Hotel, morgen um 10.00 Uhr würden sie mich wieder abholen. Ich packte meinen Koffer, legte die wenigen Dinge, die ich am letzten Morgen brauchen würde bereit, kontrollierte nochmals Schrank, Schubladen und Bad, damit ich nichts vergessen hatte und schlief zeitig, ein bisschen traurig in Breslau ein. Am Morgen Frühstück wie gehabt, Hotelrechnung bezahlt, ein kleines Trinkgeld für die nette Bedienung und das Zimmermädchen.
Die grössere Reisehandtasche war gepackt, Flugticket, Pass, beide Geldbörsen mit Sloty und Euro verstaut, Notizblock und Kuli dazu. Um 10.00 Uhr verstaute Jurek meinen Koffer im Auto und los ging es noch einmal zu einer kleinen Rundfahrt. Auf der Dominsel - Ostrow Tumsky - konnte ich im Vorbeifahren den Botanischen Garten nur kurz durch die Zaunlatten erkennen. Zu einem Rundgang dort hatte es leider nicht gereicht. Dafür gab es wieder eine nette Überraschung: wir hielten auf dem Parkplatz vor der Jahrhunderthalle. Dort war ein grosses Wochenendfest und viele Besucher schon da. Vor der Halle ein riesiger Blumenmarkt mit unzähligen Pflanzen jeglicher Art. Wenn ich mein Auto jetzt noch gehabt hätte, wäre der Kofferraum vollgestopft worden, um zu Hause Terrasse und Gärtchen zu verschönern. Wir gingen gleich zu dem Bogengang der Arkaden. Hier war alles dicht zugewachsen, auch hoch über uns .Es kam mir beinahe vor wie ein dunkles Kellergewölbe, bewachsen mit riesigen Sträuchern. Etwa in der Hälfte des Rundganges öffnete sich dann der Gang zu einer hellen Treppe, die hinunter über eine kleine Grasfläche zur Bank am Teich und in der Sonne führte. Hier machte Bozena dann viele Fotos aus allen Blickwinkeln. Eine kurze Zigarettenpause und dann bat ich darum noch in ein kleines Cafe zu fahren. Essen wollte ich erst etwas bei dem langen Aufenthalt in Warschau. Doch Jurek fuhr uns zu ihrer Wohnung zurück, wo ich meinen Kaffee und ein Häppchen bekam.
Der Flieger sollte um 14.40 Uhr starten und eine gute Stunde vorher musste ich am Lotport sein. Bozena kam mit zum Schalter und fragte, ob ich den Koffer aufgeben kann. Bis Warszawa flog ich mit Lot und von dort nach Frankfurt mit der Lufthansa. Doch es ging auch dieses Mal, das Gepäck würde umgeladen werden. Ich bekam meinen Schein dafür, die Sitzplatzreservierung für beide Maschinen gebucht und ich brauchte nur Ticket und Pass vorzulegen. Jetzt musste sich Bozena verabschieden, sie hatte für den nächsten Schultag viele Vorbereitungen zu treffen. Ich wusste gar nicht, wie ich ihr für die viele Mühe und Zeit danken sollte.
Die Zeit im Warteraum verging schnell, der Abflug wurde wieder sehr pünktlich aufgerufen und wir starteten etwas früher. Einen Tee, ein Prinz Polo und schnell war die Flugzeit nach Warszawa bewältigt. Dort wurde ich wieder vom Hilfsdienst abgeholt. Der Betreuer sprach deutsch und ich bat ihn darum mich in ein Restaurant zu bringen, damit ich dort die Hälfte der 3 stündigen Wartezeit sitzen konnte. Er meinte: selbstverständlich, wir holen sie dann wieder ab. Gegenüber des Restaurants war ein Zeitschriftenladen und ich fragte, ob es wohl deutsche Zeitungen gäbe. Er lief hin und kam mit der Bildzeitung zurück. Nicht ganz mein Geschmack aber etwas anderes gab es nicht. Zur Abflughalle wurde ich auch sicher gebracht. Hier gab es jetzt einen kleinen Check, Pass und Flugscheinkontrolle, keine Zollkontrolle. Der Bus zum Flieger stand schon bereit, die Lufthansamaschine wartete weit draussen auf dem Rollfeld. An der Treppe empfing mich die Stewardess mit einem Bündel deutscher Zeitungen unter dem Arm, ich konnte " Die Zeit" auf meinen Platz mitnehmen.
Wieder sehr früher Start, 2 Runden über Warszawa gedreht und weiter ging es nach Frankfurt. Die knapp 2 Stunden Flugzeit waren unterhaltsam, mit Brot und Getränken und der Lektüre. In Frankfurt landeten wir 20 Minuten zu früh, der Flughafendienst kam in letzter Minute angerannt, als ich aus dem Bus stieg. Auch das Gepäck musste sehr schnell ausgeladen worden sein, als wir zum Rollband kamen - nach der Checkkontrolle - rollte mein Koffer schon an mir vorbei, ich musste warten bis er auf seiner 2.Runde wiederkam. Der Betreuer brachte mich zur S - Bahn, löste für mich die Karte und schon 10 Minuten später rollte die Bahn Richtung Mainz. Am Bahnhof half mir noch ein Mitfahrer den Koffer herauszuheben und ich rollte ihn zum Taxistand. Die Fahrt nach Mombach dauerte eine Viertelstunde, es war nicht mehr viel Verkehr. Ich war kurz nach 22.00 Uhr zu Hause, fast eine Stunde früher als vorausberechnet. Als ich mir noch einen Tee machte, habe ich kurz daran gedacht, wie es einmal weitergehen würde mit meinen Fahrten nach Hause.
Allen meinen Freunden in Wroclaw habe ich erzählt, dass ich meinen 80 Geburtstag in 3 Jahren mit Ihnen und meiner Familie in meiner Heimatstadt feiern möchte.
Das sind auch meine Abschlussworte zu diesem Reisebericht.
Karla Postrach-Rast, September 2007