Gartenlaube und Familie

Die ganze Familie

Der Mann mit Hut ist jeweils mein Vater Wilhelm Streubel (1898), die Frau mit Kind meine Mutter Erna Streubel(1904), das Kind auf dem Arm ist mein Bruder Dietmar (1934) die beiden Madchen meine Schwestern Ursula und Edelgard ( 1925/1926) und der Junge mit 5 Jahren bin ich, der Siegfried. Die weiteren Personen sind Gartennachbarn. Aufnahmen entstanden 1935.

Breslau hatte den Ruf einer Gartenstadt. Es gab 7 große Schrebergarten Kolonien. Wir hatten als Familie immer einen Schrebergarten, nicht wohl allein deshalb, weil mein Vater ein leidenschaftlicher Gärtner war, sondern auch aus finanziellen Gründen. Das Gemüse und die Früchte vom Garten und die Karnickel die man dort hielt, halfen die Familie zu ernähren.

Die Männer hatten damals einen langen Arbeitstag. Wenn mein Vater von der Arbeit kam, schnappte er mich und sein Fahrrad und ab ging es in den Garten. Ich hatte auf der Vorderstange einen Sitz und ich brauchte auch nicht zu arbeiten. Ich hatte nicht immer Lust dazu in den Garten zu fahren, aber danach wurde nicht gefragt. Es gab ja auch einiges zu sehen. Die Gärten lagen meist nahe der Oder, man sah Störche niedrig den Oderwiesen zufliegen, aber auch die noch größeren Vögel, die Flugzeuge flogen niedrig über die Gärten denn der Flugplatz war auch nicht weit. Als Kinder kannten wir damals die Typen der Flugzeuge besser als die von den Autos. Da waren es die HE 111, die JU 52 und Stukas die uns begeisterten. In der Nähe von Breslau war eine Flugschule und so konnte man die Kunststücke der Kleinflugzeuge sehen. Die übten Sturzflüge und Loopings. Das war immer interessant. Wir hatten eine Zeitlang im Westen der Stadt einen Garten und später als wir ins Odertor zogen einen in Oswitz. Da ging es lang an den vielen Eingängen am Oswitzer Friedhof entlang, bei der Heimfahrt in Dunkelheit war es mir dann etwas unheimlich, aber Papa saß ja hinter mir und trat in die Pedale. Vorne leuchtete anfangs die Karbidlampe, später gab es den Dynamo. Von dem Licht wurden die Glühwürmchen angezogen, daran erinnere ich mich noch. Die Gärten hatten alle gleiche Parzellen. In der Mitte war ein Weg mit Randsteinen eingefasst, links und rechts waren die Beete und hinten stand das Gartenhaus. Zu jedem Garten gehörte eine Wasserpumpe. Durch die Nähe der Oder war auch das Grundwasser mit den Ansaugröhren, die man selbst eingrub, gut zu erreichen. Zur Pumpe gehörte ein betoniertes Wasserbecken das immer als Vorrat vollgepumpt wurde. Ein Klohäuschen mit Grube gab es auch. Die Kolonie hatte ein Vereinshaus, ein Gasthaus in dem man auch was zu Trinken holen konnte.

Es gab einen Kinderspielplatz und einen Festplatz. Höhepunkt im Jahr war das Gartenfest. Da gab es eine hölzerne Tanzdiele, die Musik spielte. Eine Kletterstange war aufgerichtet, an der man hochklettern und sich oben eine Prämie aussuchen konnte. Das war dann etwas für die größeren Jungens. Da fuhr dann die ganze Familie im offenen Straßenbahnwagen zum Gartengelände. Es wurde ein Festtag. Zwei Bilder erinnern mich noch an diese Tage der Kindheit und die Schrebergärten in Breslau.

 

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