Die geschichtliche Entwicklung der Elisabetschule in Breslau

Ein  Resümee von Dieter Günther September 2008


Die Elisabetschule in Breslau ist Vergangenheit, Erinnerung noch für uns - aber sie bleibt ein Kapitel der Geschichte. Die Elisabetschule ist wie so viele Kultureinrichtungen 1945 untergegangen. 1293 gegründet, bestand sie über einen Zeitraum von exakt 652 Jahren. Klaus Ullmann hat errechnet, daß 100 deutsche Schülergenerationen diese Schule besucht haben.
Das altehrwürdige, traditionsreiche Gymnasium zu St. Elisabet war eine humanistische Bildungsstätte von hervorragendem Format und hatte eine außergewöhnliche Wirkungsgeschichte. Diese hat nicht nur das kulturelle Leben der Stadt Breslau und Schlesiens mitgeprägt, sondern war ein kulturhistorisches Faktum für die Entwicklung der europäischen Bildungstradition.


Im vergangenen Jahr habe ich auf zwei Schlesienreisen wieder unsere Heimatstadt Breslau besucht.

Im Frühjahr mit einer kirchengeschichtlich orientierten Reisegruppe. Wir besichtigten die Elisabethkirche. Die polnische Reiseführerin erwähnte, daß in dieser Kirche auch beachtenswerte Konzerte stattfänden, aber nicht, daß es in dieser Kirche eine Orgel des berühmten Orgelbauers Englert gab und warum an der Brüstung der Orgelempore das Wappen Friedrichs des Großen zu sehen ist, darauf wurde nicht hingewiesen.

Ja, und daß seit 1293 zu dieser Kirche eine Elementarschule, eine Lateinschule und dann ein Gymnasium gehörte und daß das Schulgebäude noch heute in unmittelbarer Nähe, an der Nordseite des Kirchplatzes vorhanden ist, darauf mußte ich erst die Damen und Herren der Reisegruppe, unter denen einige Theologen, Juristen und als durchweg in Schlesien historisch bewandert einzuschätzende Personen, aufmerksam machen. Unser ehemaliges Schulgebäude wird heute vom psychologischen Institut der Universität genutzt. Der Name GYMNASIUM ZU ST. ELISABET an der Außenwand neben dem Eingang ist ausgemeißelt, ein corpus delicti für die causa ’Lustration’ (= polnische Vergangenheitsbewältigung)?

Im Eingangsbereich der Schule, oberhalb der Windfangtüren ist – wie damals – zu lesen: SALVE LUX POST TENEBRAS = Licht, sei gegrüßt nach der Finsternis. Mich überkam der Gedanke: Das Elisabetgymnasiem war eine Bildungsstätte der gesellschaftlichen Oberschicht und zugleich eine Einrichtung christlicher Erziehung. Sie hatte sich als Aufgabe gestellt, junge Menschen aus der Dunkelheit zum Licht, Lux post tenebras, zum Licht des Glaubens und der Wissenschaft zu führen. Studenten, junge Menschen mit erwartungsvollem, zuversichtlichem Gesichtsausdruck verließen das ehrwürdige, schon wieder historische Schulgebäude mit dem eindrucksvollen Portal, schritten die Stufen hinab ins reale, gegenwärtige Leben.


Es lohnt sich, der geschichtlichen Bedeutung unserer Schule nachzugehen und dem, was wir und viele andere ihr verdanken. Es war die Schule, in der wir nicht nur den Lehrsatz des Pythagoras lernten und den AcI und den Ablativus absolutus. Bei dem, was ich dazu hier vorzutragen gedenke, halte ich mich an die Darstellungen und Informationen aus sechs Publikationen:

  • Deutsche Geschichte im Osten Europas – Schlesien, herausgegeben von Norbert Conrads, Siedler-Verlag 1994
  • Späthumanismus in Schlesien , Verfasser Manfred. P. Fleischer, 1984
  • Das Städtische Evangelische Gymnasium zu St. Elisabet in Breslau, Verfasser Emil Fuchs, erschienen nach 1968
  • Gedenkschrift zum Gründungsjubiläum 1993 .....’unterwegs durch die Jahrhunderte’..., herausgegeben von der Vereinigung ehemaliger Elisabetaner
  • Vom Beitrag der Schlesier zur deutschen Kultur, Verfasser E.G. Schulz, Gottlieb Korn Verlag,2007
  • Breslauer Schulen, Geschichte und Architektur, Übersetzung aus dem Polnischen, Muzeum Architektury; Wroclaw,2005

Im Zusammenhang mit dem Mongoleneinfall 1241 wurde die vom slawischen Markt noch geprägte Ansiedlung des – ich möchte fast sagen - vorgeschichtlichen Breslau zerstört, danach aber wurde sogleich die deutsche Stadt mit Magdeburger Stadtrecht am linken Oderufer aufgebaut.

Bald erwuchs hier ein Problem für die Schulkinder der Breslauer Bürger. Sie mußten auf dem Wege zur Domschule die seinerzeit gefährlichen Oderbrücken benutzen, weshalb die Bürgerschaft bei der bischöflichen Schulaufsicht Antrag auf Errichtung einer diesseitigen Stadtpfarrschule stellte.( Die Kirche hatte im Mittelalter das alleinige Bildungsmonopol.) Der Antrag wurde genehmigt, St. Maria Magdalena durfte 1267 eine Schule errichten. Am 31. August 1293 folgte die Zustimmung des Bischofs zur Gründung der Pfarrschule zu St. Elisabeth. (Der Stiftungsbrief ist vorhanden, eine Übersetzung findet sich in der Jubiläumsschrift.) Anzumerken wäre noch, daß das Patronat der Elisabethkirche vierzig Jahre zuvor von Herzog Heinrich III. an die Kreuzherren mit dem roten Stern zu St. Matthias übertragen worden war.

Nun , die Pfarrschule zu St. Elisabeth war eine Trivialschule, in der Knaben in den Elementarfächern Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und in Latein unterrichtet wurden. Die Schulzeit dürfte anfangs vier Jahre gedauert haben. In ihrer Existenz abhängig, das heißt finanziert wurde die Schule mit ihren Lehrern und den armen Schülern von Stiftungen. Wohlhabende Bürger hatten in „Stiftungen für Altardienste“ Lehrer und Schüler bedacht. Die Schüler sollten soweit gefördert werden, daß sie im Gottesdienst als Choralsänger und Ministranten mitwirken konnten. Die Pfarrschule stand ganz im Dienst der Pfarrkirche. Und so blieb es bis zur Einführung der Reformation.

Das erste Schulhaus an der Rückseite der Elisabethkirche war vermutlich ein einfacher Fachwerkbau mit Schilf- oder Strohdach und vor den Fensteröffnungen ungegerbten Ziegen- oder Schafhäuten. Die Einrichtung müssen wir uns als sehr einfach vorstellen. Im Laufe der Jahrzehnte verbesserten sich aber die Raumverhältnisse, schon wegen der ständig wachsenden Schülerzahl. Es stieg der Bedarf an jungen Männern in der Verwaltung, an den Höfen, in den kaufmännischen Betrieben, die für ihren Beruf in der Schule vorgebildet werden mussten. Eine ständig wachsende Zahl von auswärtigen Schülern wollte im Schulhaus auch wohnen. So waren in den ersten 200, 250 Jahren des Bestehens dieser Schule ständig An-, Um- und Neubauten erforderlich, ja unumgänglich, verbunden mit erheblichen finanziellen Leistungen, erbracht durch Privatspenden und Stiftungen.- Mit der Entwicklung eines bürgerlichen Selbstbewusstseins und dem Übergang zur Stadtkultur im Mittelalter durch Handel und Handwerk, durch das wirtschaftliche Wachstum entstanden Bildungsbedürfnisse. Breslau im Schnittpunkt der großen Handelsstrassen von West nach Ost, von Nord nach Süd entwickelte sich zu einer der größten Städte Europas und zu einer Begegnungsstätte der Kulturen. Zur Bedeutung Breslaus als Stadt der Wirtschaft und der Hanse, der Wissenschaft und der Kultur haben ihre Schulen einen wesentlichen Beitrag geleistet, und die Lateinschule, später das Gymnasium zu St. Elisabeth hat sich durch die Jahrhunderte mit seinen Rektoren, Lehrern und Schülern in beispielgebender Weise engagiert.

Die hervorragende Darstellung der 650- jährigen Geschichte der Elisabetschule, des Elisabetgymnasiums von OStD Wolfgang Hubrich, enthalten in der Jubiläumsschrift, ist für mich eine exemplifizierte Geschichte der deutschen Pädagogik. Diese Schule hatte nicht nur wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Schulwesens in Breslau. Die an dieser Schule erprobten Reformen wirkten beispielgebend für das höhere Schulwesen in Deutschland. Es ist in diesem Rahmen hier natürlich unmöglich, ein geschlossenes Bild der langen Entwicklung zu bieten, aber ich will versuchen, auf einige wenige markante und weichenstellende Stationen auf dem Weg der Elisabetschule durch die Jahrhunderte hinzuweisen. Ich übernehme Ausführungen von Hubrich, wobei es sich wiederum meist um Zitate von Quellen, schriftlichen Überlieferungen von Chronisten handelt, auf die Hubrich zurückgreift.

Ich will nun nicht darauf eingehen, wie sich die geistige Bewegung des Humanismus in Deutschland im 15. Jahrhundert und den beiden folgenden verbreitete, sondern kann nur darauf hinweisen, daß der Humanismus in Schlesien eine besondere Blüte erlangte, Breslau – ’die Blume Europas’. Die Einführung der Reformation oder anders gesagt das schlesische Luthertum verschafften dem Humanismus die bürgerliche Existenzgrundlage, geistige Orientierung und öffentliche Ordnung. Breslau wurde ein Wohnsitz des Humanismus und der Humanität.

Schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Humanismus in Breslau durch einzelne Persönlichkeiten vertreten, so im Breslauer Domkapitel (Bischof Thurzo, der dux optimus, Abt Thomas ...), und setzte sich allmählich in den Schulen durch. In einer Breslauer Chronik heißt es:„Es zeigte sich der Frühhumanismus in schönster und reichster Entfaltung bei der Pfarrschule (Lateinschule) zu St. Elisabeth, heimisch gemacht durch Magister Laurentius Corvinus (Lorenz Rabe), Rektor ab 1496“. Er verlangte, daß „die Jugend sich mit Poesie beschäftige, in ihr Ruhm suche“. In seiner besonnenen Weise fügte er hinzu,„ohne Logik, Philosophie und Naturwissenschaften hintenanzusetzen, da es zwar Logiker und Philosophen ohne Kenntnis der Poetik, niemals aber einen Dichter ohne jene Wissenschaften geben könne“.

Hauptfächer an unserer Pfarrschule waren Grammatik, Rhetorik, Dialektik (das Trivium). Vom Bildungsstand des Landes behauptete Melanchthon, der praeceptor Germaniae, daß kein anderer Stamm Deutschlands so viele Gelehrte wie die Schlesier besäßen. Sie beseelten die geistige Führungsschicht wie auch die Rathäuser der Städte und böten dem Absolutismus der Habsburger wie der Gegenreformation die Stirn. Von 12 durch die Reformation entstandenen Gymnasien, die ersten in Nürnberg und Eisleben, gab es in Schlesien 6, zwei davon in Breslau.

Bis ins 16.Jahrhundert war offiziell die einzige weiterführende Schule in Breslau die Domschule, aber die kirchlichen Wirren im 14. und 15. Jahrhundert erschütterten das Ansehen der kirchlichen Hierarchie, und die im bürgerlichen Selbstbewusstsein gestärkten Stadtväter strebten nun kontinuierlich danach, dem Dom mit seinem Domscholastikus den Einfluß auf die Schulen der beiden Stadtkirchen zu entziehen. Allmählich entwickelten sich die beiden Bürgerschulen zu Lateinschulen, und schließlich wurden sie zu den höchsten Bildungsstätten der Stadt erhoben neben der Domschule, die sich dann zur Jesuitenschule wandelte. Die Schulaufsicht über die Stadtschulen ging auf den Magistrat der Stadt über.

Einer der hervorragenden Schulmänner des Reformationsjahrhunderts in Schlesien war der Schulreformer Valentin Trozendorf, ein Zeitgenosse Luthers. Er gründete und leitete das renommierte Gymnasium in Goldberg, das erste und älteste Gymnasium in Schlesien, dessen Tradition bis heute fortgeführt wird. Es ist das einzige bilinguale Gynmnasium im heutigen polnischen Schlesien, an dem Lehrer aus Deutschland unterrichten. Trozendorf wirkte auch in Breslau und Liegnitz. An seinem Goldberger Gymnasium führte er schon damals eine Schülerselbstverwaltung ein nach dem Muster der Römischen Republik mit Senatoren, Praetoren, Zensoren usw.

Die maßgebliche pädagogische Richtung erfuhr das Gymnasium, als sich der Humanismus durchsetzte, und die humanistische Bildungstradition wurde dann fortgeführt bis ins 20. Jahrhundert.

Mit der Reformation wurde die Elisabetschule evangelisch und gelangte zu hoher Blüte.

Ein neues, geräumiges Schulgebäude war erforderlich. 1525 war der Schule ein größeres Fachwerkhaus in unmittelbarer Nähe zugewiesen worden, das 20 Jahre zuvor gebaut, für die zu gründende Universität vorgesehen war. Doch schon nach 35 Jahren erwies sich das Haus nach dem einzigartigen Aufschwung des Elisabetgymnasiums für diese Schule zu klein. Es wurde abgerissen und durch ein größeres massives Schulhaus ersetzt. Der Einzug erfolgte unter dem Rektorat Winkler im Jahr 1562. Von nun an schreibt sich das Elisabetgymnasium ohne ‚h’. Der Chronist berichtet „Die Schule zu St. Elisabet bei der aristokratischen Pfarrkirche gewann und behauptete das ganze XVI. Jahrhundert hindurch einen gewissen Vorsprung, nach der Mitte des Jahrhunderts als Gymnasium, vor der zu St. Maria Magdalena, die ihr eifrig nachstrebte. (M.M. wurde 1643 ein Gymnasium). Das neue Schulgebäude machte mit seinen drei Stockwerken (s.Bild) und dem hohen Ziegeldach, welches mit einem Glockentürmchen und neun Giebeln geschmückt war, jedenfalls für die damalige Zeit einen imposanten Eindruck. Es gab 5 geräumige Schulräume, die Raum genug für je 150 Schüler boten. 1563 wurden in der Schule auf Marmortafeln die Schulgesetze aufgestellt, die „Disciplinae Scholasticae leges“.

Nun gab es Raum, daß neben den Hauptfächern Latein, Philosophie Theologie nach und nach Naturkunde, Geschichte, Mathematik, natürlich nach wie vor Musik und auch die hebräische Sprache vermittelt wurden. An der Front des neuen Schulhauses stand zu lesen: Initium Timor Domini = die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang (Ps. 111,10), die lateinische Sentenz wieder aufgenommen in der Aula des neuen Schulgebäudes in der Arletiusstraße..

Nachzutragen ist, daß der Rektor Winkler schon 1538 vom Rat die Erlaubnis für eine eigene Buchdruckerei erhielt, ein damals seltenes Privileg. Winkler leistete mit seiner Druckerei eine große Publikationstätigkeit für das gesamte Breslauer Schulwesen.

Es wurden Bücher für die Hand des Schülers gedruckt (eine beachtliche Neuerung, bisher war das Mitschreiben üblich): eine Einführung in die Musik, eine griechische Grammatik, ein Rechenbuch (das Fach Rechnen wurde nun ordentliches Lehrfach), ein Katechismus usw. Übrigens: Es wurde auch vermerkt, daß Winklers Tochter Elisabeth mit den Knaben unterrichtet wurde. Im evangelischen Schlesien wurde während und nach dem 30jährigen Krieg die nationalsprachliche Barockliteratur begründet, und Schlesien war zur Barockzeit die führende Literaturlandschaft. Mehrere der berühmten Barockdichter waren Schüler des Elisabetan, z. B. Hoffmann von Hoffmanswaldau, Johann Scheffler, Johann Heermann (s.Bild), usw.

Eine neue Errungenschaft am Elisabetgymnasium in der Barockzeit, beginnend schon im 16. Jahrhundert, wäre das Theaterspiel hervorzuheben, für die Schüler nicht nur reines Vergnügen, sondern zugleich Unterrichtsmittel, man spielte in lateinischer Sprache. Latein war in allen ‚ordines’ die Hauptsache, daneben war Religion Hauptfach (s. Stundentafel). Von den Schülern wurde verlangt, daß sie untereinander lateinisch sprachen. Von den ordines gab es 6: VI Sexta, V Quinta, IV Quarta, III Tertia, II Sekunda, I Prima. Manche Schüler verweilten drei bis vier Jahre in der Prima zwecks Vorbereitung auf die Universität. Daraus erklärt sich dann auch, daß es im 9-jährigen Gymnasium die Unter- und Obertertia, Unter- und Obersekunda, Unter- und Oberprima gab.

Das Elisabetgymnasium wurde auch als akademisches Gymnasium qualifiziert, nicht nur weil es die ideale Vorbereitung für das Universitätsstudium bot, sondern präterpropter unter spezifischem Aspekt an dessen Stelle trat. ‚Die kulturelle Führung Deutschlands lag im 17. Jahrhundert in Schlesien,’ zitiert nach Prof. E.G. Schulz. So kann man getrost auch von der Dominanz Schlesiens im höheren Schulwesen des Späthumanismus sprechen. Im beginnenden 18. Jahrhundert fanden die Ideen der Aufklärung bereitwillig ihre Umsetzung in Lehrplan und Unterricht. Starke Hervorhebung fand die neuere Geschichte in Verbindung mit Geographie, also die historisch-politische Bildung, sowie zwei Stunden Physik und eine Stunde Geometrie in den oberen Klassen, die Naturwissenschaften hielten Einzug. Ein Mathematikprofessor konnte nun in den Dienst des EG treten.

Mit Beginn der preußischen Periode ab 1742 setzte eine umfassende Neuorganisierung in vielen Bereichen ein. Ein hervorragender Rektor leitete die Geschicke des EG 23 Jahre lang, Johann Caspar Arletius. In dieser Zeit ging es um die Schulreformbestrebungen des preußischen Ministers, des Schlesiers von Zedlitz, und des Königs auch in Breslau. Friedrich zeigte sich überzeugt vom Wert humanistischer Bildung, wie sie Johann Caspar Arletius vertrat. Nach dem Willen des Königs und auf dessen Order: “ Von dem Griechischen und Lateinischen gehe ich nicht ab.“ Auch Rhetorik, Logik, Deutsch und Geschichte sollen unterrichtet werden. „Auch ist die Elisabetschule zu Breslau, wo gute Leute gezogen werden, die hernach zu Schulmeisters genommen werden können.“ Arletius wurde vom König, so ist überliefert, hoch geschätzt nach seinem Charakter wie nach seinen Kenntnissen, und hat ihn seinen Mitarbeitern als nachahmenswertes Vorbild hingestellt.

Der Minister v. Zedlitz bestätigte Arletius „seinen notorischen Eifer in Verbesserung des öffentlichen Schulunterrichts und ausnehmende Liebe für das Elisabetanum“. Das EG stand im Mittelpunkt der gesamten preußischen Schulreformen. (Quelle: Breslauer Schulen, Geschichte und Architektur). In der Zeit der deutschen Klassik wurde Johann Gottfried Herder neben Goethe, Schiller, Kant, Fichte, Hegel, dem Breslauer Schleiermacher zum großen Anreger im Bildungswesen. Die Menschheitsgeschichte war für Herder ein großer Prozeß. Der Geist der Veränderung sei der Geist der Geschichte. Und die Geschichte ist für ihn letztlich auf die organische Entfaltung der Humanität angelegt. Es ist das Humanitätsideal, nach dem sich Bildung und Erziehung orientieren sollen. Es ist die Epoche des Neuhumanismus, die entscheidende Auswirkungen auf das Schulwesen in Breslau ausübte. Die neue Pädagogik eines Pestalozzi, eines Fröbel und die Bildungsphilosophie des Wilhelm von Humboldt finden hier eine tatkräftige Anhängerschaft. Die Humboldtsche Reform des Gymnasiums bringt eine neue Schulorganisation, einheitliche Lehrpläne und eine neue Reifeprüfungsordnung. Die Prüfung für das höhere Lehramt wird eingeführt und der Beruf des Philologen von dem des Theologen getrennt. Lehrer des EG waren oft auch Pastoren an der Elisabethkirche. Das blieb auch lange Zeit noch so. Leitgedanke des Humboldtschen humanistischen Gymnasiums war die Orientierung an Geist und Kultur der Griechen, das Ideal des griechischen Menschen der Antike, deshalb die Bedeutung des Faches Griechisch am humanistischen Gymnasium. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann das Zeitalter der Industrialisierung. Die neue technische Einstellung orientierte sich an den Realien. Der philosophische Idealismus wurde abgelöst von einer realen und materiellen Lebenssicht. Die Gründung einer ersten Realschule war die Folge.

Die durch Reformen erreichten Fortschritte im Inneren wie im Äußeren wurden bei der vielbeachteten Jubelfeier zum 300-jährigen Bestehen des EG im Jahr 1862 in Veranstaltungen und Reden bilanziert.

35 Jahre lang, bis 1880 war Karl Rudolf Fickert Rektor in einer Phase gewichtiger Schulreformen und großer Schulprobleme, deren Lösung in fruchtbarer Zusammenarbeit mit einem engagierten Kollegium und kompetenten Breslauer Wissenschaftlern unter der Regie Fickerts gelang. Es ging darum, die bewährte Gelehrtenschule zu erhalten und fortzuführen, sie aber mit den pädagogischen Forderungen der Zeit in Einklang zu bringen. Daß diese Aufgabe so erfolgreich gelöst wurde, war vor allem das hervorragende Verdienst des Rektors. In seiner Amtszeit wurde ein Höhepunkt in der Geschichte des EG erreicht. Im 19. Jahrhundert stiegen die Schülerzahlen ständig, zeitweise rasant. Räumliche Erweiterung, Neubauten wurden immer wieder erforderlich. Ein neuer Schulkomplex konnte durch finanzielle Förderung des Königs, Friedrich Wilhelm III., errichtet werden und war 1835 bezugsfertig. Die Pracht der Gebäude erregte noch mehr Aufsehen als die Neubauten von 1562, man sprach in Breslau von einem Schulpalast. – Aber 1866 war die Schülerzahl auf über 700 gestiegen, und der Stadtrat sah sich veranlasst, eine neue Erweiterung der Schulgebäude mit Turnhalle zu beschließen. Die Lage aber blieb weiterhin unbefriedigend. Durch die Zubauten hatten sich die Lichtverhältnisse weiter verschlechtert. Die Untersuchung der Augen aller Schüler brachte ein bedenkliches Ergebnis. Schließlich traf man 1893 den endgültigen Entschluß, ein neues Schulgebäude zu bauen, der geringeren Kosten wegen auf städtischem Grund an den Teichäckern hinter dem Hauptbahnhof.

Nach Fickert gab es auch im inneren Schulbetrieb natürlich weitere Veränderungen. Im neuen Schulhaus .... Direktor Prof.Dr. Paech ... (s.Fuchs)... Die einschneidendste Reform in der Geschichte des E.G. war die Eingliederung des realgymnasialen Zweiges im Jahr 1914. Anlaß hierfür war der Bedarf an Ingenieuren in der Industrie und die Eröffnung der Technischen Hochschule Breslau im Jahr 1910. Später waren die Realklassen oft stärker besetzt als die humanistischen. (Das Verhältnis zwischen den beiden Zweigen.......(s.Fuchs) Auf die weiteren zeitbedingten Veränderungen und den Niedergang im 3. Reich will ich hier nicht mehr eingehen. 1938 trat an die Stelle des Gymnasiums die Elisabetschule, Städtische Oberschule für Jungen. Noch ein Blick zurück auf das neue Schulgebäude, das endlich im Jahr 1903 bezogen werden konnte. Im Stil der Neorenaissance wurde der Stil der Renaissance des 16. Jh. wieder aufgenommen. Das Gebäude des EG war unter dem Gesichtspunkt der architektonischen, malerischen und bildhauerischen Dekoration sowie der Qualität des ikonographischen Programms eines der hervorragendsten Beispiele der Schularchitektur um 1900, nicht nur in Breslau, sondern in Deutschland.

Ich zitiere Günter Baranek, Generalmajor a.D.:

„Sicher waren die Breslauer Bürger wieder beeindruckt von dem großen Bau, der so sehr den Stil, das Selbstverständnis des beginnenden Jahrhunderts verkörperte. Kompakt, fest, fast ein wenig trotzig stand die neue Schule da, dazu stolz mit ihrem hohen Dach, den Giebeln und Türmchen. Aber die hellen Wände und die großen Fenster machten sie auch wieder freundlich, lebendig und aufnahmebereit. Und auch im Inneren fühlte man nebeneinander Feierlichkeit und Frohsinn, Ruhe und Spektakel, Platz und Gedränge. Zunächst kamen glücklichere Jahre,“ für uns, die wir hier übriggeblieben sind, leider nur eine kurze Frist, nur fast fünf Jahre..

 

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