Kurzbeschreibung des Ortes

Zusammengestellt 1998 und überarbeitet 2007 von Leo Quade.1
(Bewohner von Oltaschin von 1929 bis 1945.)

Sieben Kilometer von der schlesischen Hauptstadt entfernt, an einer Nebenstrecke, die die südlichen Orte von Breslau, wie Woischwitz/Hoinstein, Wessig/ Bergmühle, Rotsürben/Rothbach, Bohrau, Strehlen und Münsterberg verbindet, liegt das alte Kräuterdorf "Oltaschin", 1937 in "Herzogshufen" umbenannt.

Kräuterbauern lieferten früher Gemüse und Blumen mit Handwagen oder Pferdegespannen über den Breslauer Kirchweg auf die Märkte in die Großstadt.

Ansichtskarte von 1914

Viel später bestand dann eine gute Busverbindung von der Kirche, die in Breslau Anschluß an die Straßenbahnlinien 11+15 Helmut-Ecke Bohrauer Str. hatte.

Oltaschin war ein typisches Angerdorf in deren Mitte die Dorfweide lag, die von allen Gemeindeangehörigen genutzt werden konnte. Am Anfang, von Hartlieb kommend, liegt der Dorfteich. mit nachfolgender Bebauung. Die Dorfstrasse teilt sich, und bildet in der Mitte den Anger mit der Dorfaue, auf dem sich das früher übliche Kriegerdenkmal und der Dorfbrunnen befand. Linker Hand ein Weg, der mit großen Steinen gepflastert war. Für den Viehtrieb wurde er einseitig verbreitert Der Anger endet an der Kirche mit einer stattlichen Friefhofsumgrenzungsmauer. Davor befand sich früher noch ein Löschteich, der später zugeschüttet wurde. Hier stand auch die sogenannte Jahrhundert-oder Wundereiche. Wegen öfteren Hornissen-und zunehmenden Fäulnisbefalles mußte sie später leider gefällt werden. Wer sie einmal angepflanzt hatte, ist nicht überliefert. An diesem Weg sind die Zufahrten zu den Großbauerngehöften und dem sogen. Feuerwehr- Spritzenhaus in dem auch die Gemeindeverwaltung untergebracht war.

Parallel dazu, an der anderen Seite der Aue, verläuft der breitere Teil der Dorfstraße, über die später das zunehmende Verkehrsaufkommen in Richtung Hartlieb - Klettendorf (Zuckerfabrik) bzw. Wessig oder Dürrjensch geleitet wurde.

In zwei gemütlichen Gasthäusern, mit großen Sälen und Kegelbahnen kamen die Ortsbewohner oft zusammen. Die in den Sommermonaten schattigen Gärten waren bekannte Ausflugsziele der Breslauer.

Früher spielte die Familie "Schottländer" eine große Besitzerrolle. Neben großen Gütern in Wessig, Eckersdorf, Karowahne und Althofdürr , an die sich seine Felder von Oltaschin anschlossen, war "Dr. Paul Schottländer" Mitbegründer des Breslauer Universitätsbundes. Er stiftete u.a. 120 Morgen für den Südpark in Breslau. Die Familiengruft kann noch heute auf dem jüdischen Friedhof an der Lohestraße aufgesucht werden.(1997)

Ebenso genannt sei die Familie "von Richthofen", die im Nachbarort Dürrjensch / Riembergshof Gutsherren waren. In den 20er Jahren schenkten diese der Gemeinde Oltaschin ein Stück Land, das nach der Bebauung als "Richthofensiedlung" bekannt wurde.

Kirchengeschichte

Kirche

Mittelpunkt des Ortes war die kath. Kirche "St. Mariä Himmelfahrt".

Oltaschin, damals Oltacino, war von 1248 bis 1810 im Kirchenbesitz und wurde vom Breslauer Domprobst , der Erb-und Grundherr war, verwaltet.

Die erste Kirche, ein Holzbau, wurde wahrscheinlich 1254 gebaut. Die "hl. Hedwig" soll unterstützend zur inneren Ausstattung beigetragen haben. Sie wurde 1450 durch eine massive Kirche ersetzt.. Die Kirche wurde im 7 jährigen Krieg (1756 - 1763) stark beschädigt. Eine gründliche Instandsetzung und ein erneuter Umbau erfolgte 1855 bis 1856 . Diese Jahre gelten als Entstehungsjahre der heutigen gotischen Pfarrkirche. In den späteren Jahren erfolgte die Überholung der Inneneinrichtung .

Um die Geschichtsschreibung von Oltaschin und der Kirche hat sich besonders "Johannes Soffner", geb. 1828 in O/S und ab 1864 Pfarrer in Oltaschin , sehr große Verdienste erworben.

Er schreibt u.a. in seinem Werk "Geschichte der kath Pfarrei Oltaschin" , welches 1875 im Verlag Franz Goerlich, Breslau erschienen ist:

"Oltaschin gehörte zum Breslauer Sandstift und wurde mit den anderen Dörfern , welche das Stift um den Zobtenberg besaß, mit Genehmigung des Herzogs "Heinrich" vom Jahre 1209 zu deutschem Recht ausgesetzt."

Nach diesen Angaben hätte Oltaschin im Jahre 2009 sein 800 jähriges Bestehen als ein nach deutschem Recht gegründetes Dorf in Schlesien begehen können.2

Die Kirche, ein roter Ziegelbau, ist weithin sichtbar. Von 4 betonten Türmen, die durch Kriegseinwirkung 1945 stark beschädigt wurden.

Einzelne Glocken wurden in den zwei Weltkriegen beschlagnahmt. Eine davon, die "Sebastiansglocke" wurde von dem letzten tätigen deutschen kath. Pfarrer "Joseph Wallek" geb. 1899 in Königshütte O/S, verst. 1997 in Bad Mergentheim, seit 1975 Geistl. Rat, in Hamburg, wiedergefunden. Sie erklingt heute in der "Fronleichsnamskirche" in Creglingen.

Die im Hochaltar befindlichen Figuren: Maria mit Kind, hl. Katharina, und hl. Barbara sind noch heute vorhanden. Bewährte Kunstkenner erklärten, daß die drei Statuen zu den besten Kunstwerken des 15. Jahrhunderts aus Breslauer Werkstätten gehören sollen.

Die Ausstattung im Inneren der Kirche blieb auch nach 1945 erhalten. Vorsorglich wurden die wertvollen Figuren während der Festungszeit im Turm der Kirche sicher verwahrt.

Zugehörig der Kirche zu Oltaschin waren von Altersher: Krietern, Hartlieb, Woischwitz, Lamsfeld, Dürrjensch, Schönborn, Eckersdorf, Althofdürr, Schönwasser, Wessig, Karowahne, Lohe, Kundschütz und Klettendorf. Noch früher gehörten Koberwitz, Neuen, Haidänchen und Klein - Sürding dazu. (Quelle - Wallek)

1937 wurde unter Pfarrer "Joseph Wallek" die Kirche vollständig renoviert. Dazu gehörte die Erneuerung des Kirchendaches, des Turmhelmes, sämtlicher Kirchenfenster und die Ausmalung des Kircheninneren. Es wurde eine unterirdische Koksheizung eingebaut. Die von "Eberhard Horn" 1874 gebaute Orgel wurde 1944 restauriert . Hauptlehrer Max Seidel sowie Lehrer Franz Quade - Goßvater und Vater des Verfassers dieses Berichtes - haben in den Jahren vor 1945 darauf musiziert.

Die ev.Gemeinde gehörte seit 1922 zur Johanneskirche in der Breslauer Südstadt in der Hohenzollern Strasse. Gottesdienste fanden in der ev. Schule in Oltaschin statt. Einer der tätigen Pastoren soll u.a. "Heinrich Albertz " gewesen sein. Er wurde später als Oberbürgermeister von West - Berlin bekannt.

Namensgeber

Der Name Oltaschin stammt wahrscheinlich aus dem 1155 vorgefundene Namensbeleg "Oltarzyn" = dem Altar der Kirche gehörig.

Herzogshufen soll auf die herzoglichen Land - und Zinsschenkungen im Jahre 1204 durch Herzog "Heinrich I" verweisen. "Hufen" ist ein altes Landmaß.

Einwohner

Oltaschin hatte vor 1945 noch etwa 1400 Einwohner und gehörte zum Standesamtbezirk Woischwitz/ Hoinstein.

Ende 1944 waren u. a. in Oltaschin noch tätig:

Von den im Jahre 1939 gezählten 1384 Einwohnern sind die neuen Anschriften von 245 ehemaligen Einwohnern bekannt.3

Ein großer Teil davon trifft sich seit 1994 alle zwei Jahre in Borken/Westf. (Patenkreis der Bundesheimatgruppe Breslau Land)

_____________________
1 Der Bericht wurde teilweise aus der 1995 von Dr. Helmut Sauer, Dortmund und Leo Quade, Stolberg erarbeitenden und zusammengestellten Chronik von Oltaschin /Herzogshufen entnommen. (Quellen und Nachweise sind dort zu finden! )
2 Die Polen haben die 800 Jahrfeier am 06. Juni 2004, aus welchen Gründen auch immer, vorgezogen. Ehemalige Bewohner wurden nicht eingeladen. Oder anders forumuliert: "Nachdem die Parlamentsmehrheit der Bundesrepulik Deutschland 1991 die neue Westgrenze Polens anerkannt hat, war Oltaschin bis 1945 eine nach deutschem Recht 782 Jahre alte deutsche Dorfgemeinschaft."
3 Nach Sichtung der Liste aller erfassten Einwohnung im Jahr 2007

 

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